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AOKs schreiben Patienten Versorgung vor

AOKs schreiben Patienten die Versorgung vor: Inkontinenz-Patienten befürchten schlechtere Versorgung

Auf AOK-versicherte Patienten aus Berlin und Sachsen-Anhalt, die ableitende Inkontinenzprodukte für Dauerkatheterismus oder für intermittierenden (Selbst-)Katheterismus benötigen, kommen Veränderungen in der Versorgung zu.

Sie dürfen nicht mehr selbst entscheiden, wer sie mit ihren medizinischen Hilfsmitteln versorgt. Zukünftig werden sie von den Ausschreibungsgewinnern beliefert, die den niedrigsten Preis geboten haben.

Laut Ausschreibungsunterlagen der AOKs Berlin und Sachsen-Anhalt sind von diesen dramatischen Veränderungen über 8700 Versicherte betroffen. Diese sollen auf Anweisung der AOK Berlin und der AOK Sachsen-Anhalt seit dem 01.03.2009 vom jeweiligen Ausschreibungsgewinner auf Basis einer Monatspauschale versorgt werden. Akzeptieren die Betroffenen dies nicht, kommen hohe Mehrkosten auf sie zu. Spricht sich die Krankenkasse gegen den Wechsel des Leistungserbringers aus, müssen Versicherte ihre Hilfsmittelversorgung sogar komplett aus eigener Tasche bezahlen. Viele Patienten befürchten auch aufgrund der bereits sehr schlechten Erfahrungen anderer Patienten, die von Ausschreibungen betroffen waren, den Verlust des vertrauten Ansprechpartners und eine schlechtere Versorgung: Mangelhafte Beratung und Service, verzögerte Lieferungen, ungewohnte, weniger geeignete, und unzureichende Mengen können zu folgenschweren Fehlversorgungen führen. Für den sehr intimen Bereich der Inkontinenz stellt das Einweisen in neue Produkte durch fremde Personen zusätzlich ein großes Problem dar.

Von der AOK Berlin bzw. der AOK Sachsen-Anhalt informierte Patienten sollten zusätzlich genau prüfen, ob sie tatsächlich auf den Ausschreibungsgewinner wechseln müssen oder ob sie gegebenenfalls irrtümlicher Weise angeschrieben wurden. Nicht alle Produktbereiche der ableitenden Inkontinenz waren von dieser Ausschreibung betroffen.

Dass Betroffene bei schlechter Versorgung mit ihrer Stimme etwas bewirken können, zeigt die Inkontinenz-Ausschreibung der AOK Hessen. Sie hatte wenige Wochen nach dem Start der Belieferung am 1. Januar 2009 einem Ausschreibungsgewinner gekündigt. Grund dafür waren Beschwerden von Versicherten: Lieferungen kamen nicht oder stark verspätet, es mangelte an telefonischer Erreichbarkeit, Hausbesuche wurden nicht eingehalten. Die AOK Hessen regelt die Versorgung der betroffenen Patienten nun über Verträge, zu denen alle qualifizierten Leistungserbringer beitreten können. Den Versicherten bleibt dann die freie Wahl zwischen den Vertragspartnern der Kasse.

"Patienten dürfen diese Bevormundung durch Ausschreibungen und eine schlechtere Versorgung nicht widerstandslos hinnehmen", sagt Magdalene Kaminski, 1. Vorsitzende der Deutschen Parkinson Vereinigung. "Betroffene müssen sich wehren und die Probleme der Krankenkasse und dem Aktionsbündnis "meine Wahl!" mitteilen. Gemeinsam können wir etwas ändern und uns für Qualität und Mitsprache einsetzen."

Bereits im letzten Jahr haben tausende gesetzlich krankenversicherte Hilfsmittelnutzer durch Ausschreibungen ihrer Hilfsmittel Qualitätsverluste hinnehmen müssen. Teilweise führten Ausschreibungen für die Patienten zu nicht akzeptablen Versorgungssituationen und zu Produktumstellungen auf nicht hinreichende Hilfsmittel. Im Aktionsbündnis "meine Wahl!" haben sich seit Juni letzten Jahres bundesweit Menschen mit Behinderungen, Selbsthilfevereinigungen, Hilfsmittelhersteller und Versorgungspartner wie Sanitätshäuser und Homecare-Unternehmen zusammengeschlossen, um das Recht auf freie Wahl des Versorgungspartners im Hilfsmittelbereich zu erhalten.
Das Bündnis setzt sich für eine bedarfsgerechte, qualitätsgesicherte und dem Stand der Technik entsprechende Versorgung mit Hilfsmitteln ein. Insgesamt 87 Unternehmen und Organisationen (Stand: März 2009) unterstützen bereits die Arbeit und die Ziele des Bündnisses, darunter die Deutsche Parkinson Vereinigung e.V., der Inkontinenz Selbsthilfe e.V., der Deutsche Rollstuhl-Sportverband e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Versicherte und Patienten e.V.

Pressekontakt:

Bärbel Hestert-Vecoli
Aktionsbüro »meine Wahl!«
c/o Weber Shandwick
Schönhauser Allee 37, Geb. P
10435 Berlin

Tel.: +49 (0)30 203 51-27
bhestert@webershandwick.com

www.buendnis-meine-wahl.de

 

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Bernd Wünschmann
Leitung Presse&PR
Tel.: 0231/557050-60
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