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Akademisierung der Ausbildung, direkter Zugang zum Patienten und Ost-West-Angleich bei der Vergütung zählen zu den wichtigsten Aufgaben der nächsten Jahre im Heilmittelbereich. Zudem diskutieren deutsche Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten eine stärkere Konzentration auf das Thema Prävention.
Neue Arbeitsmodelle für Heilmittelerbringer, die Zukunft der Ausbildung und moderne Therapiemethoden gehören zu den Themen der therapie Leipzig, die vom 19. bis 21. März 2009 in Leipzig stattfindet.
"Wollen wir konkurrenzfähig bleiben, müssen wir uns auf wissenschaftlicher Ebene mit unserer Profession auseinandersetzen, die Therapie weiterentwickeln und kontinuierlich effektiver gestalten", erklärt Arnd Longrée, Vorsitzender des Deutschen Verbandes der Ergotherapeuten e.V. (DVE). "Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten kommen in Deutschland fast ausschließlich von der Berufsfachschule. Studiengänge, in anderen europäischen Ländern längst Standard, gibt es kaum. Das wirft uns zurück." Die deutsche Politik blockiere die Akademisierung seit fast 20 Jahren - "vielleicht aus Angst vor daraus resultierenden höheren Vergütungssätzen."
Akademische Ausbildung noch am Anfang
Forschung, Entwicklung und wissenschaftliche Überprüfung neuer Therapieansätze stecken in Deutschland erst in den Kinderschuhen, so Arnd Longrée: "Wir sind vom Ausland abhängig. Deshalb muss es in Deutschland endlich eine generelle grundständige Ausbildung für Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten an der Hochschule geben, mit Bachelor- und aufbauendem Masterabschluss. Wir brauchen akademisches Niveau." Zudem müssten Ausbildungsinhalte entrümpelt werden. "Starre Pläne lassen zu wenig Luft, Innovationen umzusetzen." Bisher habe mit ersten Bachelor- und Master-Ausbildungsgängen lediglich eine Teilakademisierung stattgefunden. Häufig sei das Studium zudem an eine Berufsfachschulausbildung gekoppelt.
Die deutsche Studienlandschaft für therapeutische Berufe ist zurzeit sehr heterogen. Erste grundständige Studiengänge stehen einem reinen Aufbaustudium gegenüber. Es gibt sowohl Vollzeit- als auch berufs- oder ausbildungsbegleitende Studiengänge. Zwischen 15 und 20 Bachelor- und etwa sechs Master-Studiengänge gibt es bisher in Deutschland für Ergotherapeuten, Logopäden und Physiotherapeuten. Dazu gesellen sich Studienprogramme in Kooperation mit ausländischen Universitäten, zum Beispiel in den Niederlanden, Großbritannien oder Österreich.
Die Akademisierung der therapeutischen Berufe wird in der Branche auch im Zusammenhang mit dem Direct Access debattiert. Mit Direct Access ist der direkte Zugang zu Heilmittelerbringern ohne vorherige ärztliche Verordnung gemeint. Der direkte Zugang bedeutet eine stärkere Autonomie dieser Berufe sowie eine selbstständige Verordnungskompetenz. Erste Modellvorhaben zumindest für Physiotherapeuten werden im Rahmen des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes in naher Zukunft erwartet.
Gleiches Geld für gleiche Arbeit
Als "überfällig" bezeichnet die gesamte Branche der Heilmittelerbringer die Ost-West-Angleichung der Vergütung. "In den neuen Bundesländern liegen die Sätze im ambulanten Bereich nur bei 72 bis 92 Prozent der in den alten Bundesländern gezahlten Vergütungen - bei gleichen Kosten", kritisiert Arnd Longrée. Dies sei gravierend und nicht mehr hinnehmbar.
Wachstum in der Prävention und in neuen Märkten
237 Millionen Heilmittel-Behandlungen gesetzlich krankenversicherter Patienten wurden allein 2006 durchgeführt - darunter Therapien von Rückenleiden oder Sprachstörungen und logopädische, physio- sowie ergotherapeutische Behandlungen von Patienten nach Unfällen oder Akutereignissen wie Schlaganfällen (Wissenschaftliches Institut der AOK/Heilmittel-Report 2008).
Insgesamt werden jährlich 4,5 Milliarden Euro für die Heilmittel-Therapie eingesetzt. Mit rund 3,9 Milliarden Euro entfallen etwa 2,46 Prozent des Budgets der Gesetzlichen Krankenversicherung auf diesen Bereich (Verband Physikalische Therapie VPT e.V.). Den Löwenanteil machen dabei physiotherapeutische Behandlungen aus: Sie erzielten beispielsweise im ersten Halbjahr 2008 laut Heilmittel-Informations-System (GKV-HIS) des GKV-Spitzenverbands (Bundesbericht Januar bis Juni 2008) einen Bruttoumsatz von rund 1,57 Milliarden Euro (Ergotherapie: rund 289 Millionen Euro; Sprachtherapie: 197 Millionen Euro).
Physiotherapeutische Behandlungen wie Krankengymnastik und Massage werden den 70 Millionen gesetzlich Krankenversicherten am meisten verordnet (Wissenschaftliches Institut der AOK/Heilmittel-Report 2008). Vor allem über 60-Jährige bekommen Physiotherapien, insbesondere bei Rückenproblemen beziehungsweise Wirbelsäulenerkrankungen. Mehr als jede vierte Frau dieser Altersgruppe sowie nahezu jeder fünfte Mann hat 2006 eine Krankengymnastik oder Massage erhalten.
Hohe und steigende Verordnungszahlen verzeichnen auch Ergo- und Sprachtherapien für Kinder. 21 Prozent aller sechsjährigen Jungen und 14 Prozent aller Mädchen in dieser Altersgruppe erhielten 2006 eine Sprachtherapie - laut Ansicht der Fachwelt ist dies allerdings zwei bis drei Jahre zu spät. In ergotherapeutischer Behandlung befanden sich laut Heilmittel-Report 14 Prozent der sechsjährigen Jungen sowie 5,3 Prozent der Mädchen dieses Alters.
"Die Zahl ergotherapeutischer Therapien zum Beispiel wächst nach wie vor, speziell im ambulanten Bereich", konstatiert DVE-Vorsitzender Arnd Longrée. Mit dem demografischen Wandel und der älter werdenden Gesellschaft steige auch der Bedarf. Problematisch für das Gesundheitswesen seien jedoch die wachsenden Kosten: "Es besteht die Gefahr, dass Ärzte aufgrund von Restriktionen weniger verordnen - und nicht jeder Patient die Therapie bekommt, die er und auch die Gesellschaft braucht", so Longrée. Die Therapiebranche versuche sich verstärkt in Richtung Prävention zu orientieren sowie Selbstzahlerleistungen für Patienten anzubieten. "Doch der zweite Gesundheitsmarkt ist erst im Aufbau."
"Unsere Ausbildung eröffnet uns viele Tätigkeitsfelder - in der Prävention, Arbeitsmedizin oder im betrieblichen Gesundheitsmanagement", sagt Dörte Steinfeld, Vorsitzende des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern im Deutschen Verband für Physiotherapie (ZVK) e.V. Mögliche Arbeitsbereiche sind auch Hilfe bei der beruflichen Wiedereingliederung, Beratung für Pädagogen, Schulen und Eltern oder im Auftrag von Kommunen. Auch der Anschluss an medizinische Versorgungszentren sei eine Chance. "Unser Berufsbild wird sich öffnen. Mit unserer Qualifizierung können wir uns mehrere Standbeine schaffen."
Fachausstellung mit mehr als 200 Anbietern
Die therapie Leipzig gibt als einzige Fachmesse in Deutschland einen Überblick über medizinische Rehabilitation und Prävention. Zur kommenden Veranstaltung vom 19. bis 21. März 2009 informieren mehr als 200 Aussteller über neueste Angebote auf dem deutschen Markt. Die Messeleitung erwartet eine 30 Prozent größere Ausstellungsfläche als zur Vorveranstaltung 2007.
Gezeigt werden auf dem Leipziger Messegelände vor allem Therapiegeräte für Physio- und Ergotherapie, Geräte für die Trainingstherapie und Zubehör sowie Einrichtung, Ausstattung und EDV-Lösungen für die therapeutische Praxis, Kliniken sowie Kur- und Heilbäder. Die letzte therapie Leipzig endete mit einem 40-prozentigen Besucherplus und 26-prozentigen Ausstellerzuwachs.
Im März 2007 nutzten insgesamt 9.100 Physio- und Ergotherapeuten, Masseure und medizinische Bademeister, Führungskräfte von Akut- und Rehakliniken sowie Kur- und Heilbädern das Angebot der 188 Aussteller.
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