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Insgesamt 1,2 Millionen Menschen arbeiten in Deutschland in der Pflege kranker, alter und behinderter Menschen (Deutscher Pflegerat). Allein die rund 810.000 Beschäftigten in den Pflegeheimen und bei ambulanten Pflegediensten leisten in Deutschland einen Beitrag zur Wertschöpfung in Höhe von etwa 25 Milliarden Euro jährlich ("Pflegeleistungen - vom Kostenfaktor zum Jobmotor", Institut der Deutschen Wirtschaft [IW] Köln/ Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e. V. [bpa] 2009).
Zwischen 1999 und 2007 stieg die Zahl der im Pflegebereich arbeitenden Menschen um rund 185.000 (Bundesministerium für Gesundheit 2009). Für die nächsten Jahrzehnte erwarten Experten einen wahren Job-Boom: Bis 2050 könnte die Beschäftigtenzahl in der Branche auf 2,2 Millionen Personen wachsen. Hintergrund ist der demographische Wandel: In den kommenden 30 Jahren soll sich die Zahl der Pflegebedürftigen auf über vier Millionen verdoppeln (IW Köln/bpa 2009).
"Die Pflege ist ein Wachstumsmarkt und ein Beschäftigungsmotor", betont Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa), der bundesweit über 6.200 private Pflegeeinrichtungen vertritt. "Während Unternehmen anderer Branchen in der Wirtschaftskrise Arbeitsplätze abbauen müssen, schaffen die Pflegedienstleister und -einrichtungen hunderttausende neue Jobchancen." Rund 2,7 Milliarden Euro Lohnsteuer zahlen die in der Pflege Beschäftigten im Jahr an die Finanzämter, circa 6,5 Milliarden Euro fließen von Arbeitgebern und Arbeitnehmern in die deutschen Sozialkassen, hebt der bpa-Präsident hervor.
Zudem sorge die Branche für 43.763 Ausbildungsplätze. Doch auch von den Pflegebedürftigen selbst fließen bedeutende Beiträge in den Pflegemarkt: Sie leisten circa 6,5 Milliarden Euro an privaten Zuzahlungen zu den jährlichen Heimentgelten von 18 Milliarden Euro, so Meurer.
Pflege noch Familiensache
Pflege ist in Deutschland immer noch vor allem Familiensache. 2,25 Millionen Menschen in Deutschland waren im Dezember 2007 laut der alle zwei Jahre durchgeführten Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes pflegebedürftig im Sinne des Pflegeversicherungsgesetzes (SGB XI). Mehr als zwei Drittel - 1,54 Millionen - von ihnen wurden zu Hause versorgt. Bei weniger als der Hälfte dieser Pflegebedürftigen - 504.000 - erfolgte die Pflege im Privathaushalt zum Teil oder vollständig durch einen der 11.500 ambulanten Pflegedienste. Die anderen erhielten ausschließlich Pflegegeld, sie wurden in der Regel allein durch Angehörige gepflegt. Lediglich knapp ein Drittel aller Pflegebedürftigen (709.000) wurde in Pflegeheimen betreut. Bereits heute ist ein Zuwachs an Pflegebedürftigen aufgrund des demografischen Wandels spürbar: Seit der letzten Erhebung des Statistischen Bundesamtes 2005 stieg ihre Zahl um sechs Prozent, seit 1999 sogar um 11,4 Prozent ("Pflegestatistik 2007 - Deutschlandergebnisse", Statistisches Bundesamt 2008).
Wachstum bei ambulanten Pflegediensten und Pflegeheimen
In den ambulanten Pflegediensten arbeiteten im Dezember 2007 insgesamt 236.000 Personen auf der Basis des SGB XI - die Mehrzahl weiblich (88 Prozent) und teilzeitbeschäftigt (71 Prozent; "Pflegestatistik 2007 - Deutschlandergebnisse", Statistisches Bundesamt 2008). Während der Anteil der geringfügig Beschäftigten im Bundesdurchschnitt 22 Prozent betrug, lag er in den neuen Bundesländern mit fünf bis acht Prozent erheblich niedriger ("Pflegestatistik 2007. 3. Bericht: Ländervergleich - ambulante Pflegedienste", Statistisches Bundesamt 2009). Gegenüber 2005 nahm die Zahl der ambulanten Pflegedienste um fünf Prozent zu, die der Beschäftigten um 10,2 Prozent - dies entspricht 22.000 zusätzlichen Arbeitnehmern ("Pflegestatistik 2007 - Deutschlandergebnisse", Statistisches Bundesamt 2008).
In den bundesweit rund 11.000 nach SGB XI zugelassenen voll- beziehungsweise teilstationären Pflegeheimen mit 799.000 Plätzen betrug die Personalstärke im Dezember 2007 insgesamt 574.000 Personen. Auch in den Pflegeheimen war mit 85 Prozent die Mehrzahl der Beschäftigten weiblich sowie mit 57 Prozent mehr als die Hälfte Teilzeitbeschäftigte. An jedes fünfte Heim war außerdem ein Altenheim oder betreutes Wohnen angeschlossen.
Ebenso wie bei den ambulanten Diensten ist auch bei der stationären Versorgung in Pflegeheimen im Vergleich zu 2005 ein Wachstum zu beobachten: um 600 Heime beziehungsweise 5,8 Prozent sowie 27.000 Beschäftigte (5 Prozent). Allerdings sank die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 5.000 Personen. Sowohl in den ambulanten Pflegediensten als auch in den Heimen waren Gesundheits- und Krankenpfleger und -pflegerin oder Altenpfleger und -pflegerin die wichtigsten Ausbildungsabschlüsse ("Pflegestatistik 2007 - Deutschlandergebnisse", Statistisches Bundesamt 2008).
Gefragte Fachkräfte
Nach wie vor sind qualifizierte Fachkräfte in den Pflege- und Gesundheitsberufen gefragt, zeigt der DEKRA Arbeitsmarktreport 2009 auf Basis einer Stichtagsanalyse von 8.523 Stellenangeboten: Am Stichtag der Untersuchung (28. Februar 2009) wurden 367 Krankenschwestern und -pfleger gesucht. Positionen für diese Berufsgruppe nahmen den größten prozentualen Anteil des gesuchten Fachpersonals ein. Krankenschwestern und -pfleger lagen unter den Top 10 der am häufigsten gesuchten Berufe an der Spitze (DEKRA Arbeitsmarkt-Report 2009).
Die prognostizierte Zunahme von 30 Prozent bei den Pflegeempfängern bis 2020 sowie der zusätzliche Bedarf an 450.000 Betten in der stationären und ambulanten Pflege bis 2020 wird die Nachfrage beflügeln ("Factbook", Marseille-Kliniken AG 2008). Allein die bis zu diesem Zeitpunkt erwarteten 220.000 neuen Heimplätze im stationären Bereich würden einem Investitionsbedarf von rund 16 Milliarden Euro entsprechen und eine Erhöhung des Marktvolumens auf gut 24 Milliarden Euro zur Folge haben, konstatiert bpa-Präsident Bernd Meurer. Dies bedeute ein Plus von 40 Prozent ("Bestimmungsgrößen für das Marktgeschehen in der Pflege", Fakultät für Soziale Arbeit an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt/Qualidata GmbH/bpa 2008). "Der ambulanten Pflege wird eine Steigerung des Marktvolumens auf 10 Milliarden Euro und damit sogar ein Plus von 55 Prozent prognostiziert", so Meurer. "In diesem Bereich zeichnet sich besonders ein überproportionales Wachstum der Nachfrage von Haushalts- und Beratungsdienstleistungen ab. Außerdem wird erwartet, dass es zunehmend private Anbieter sind, die den wachsenden Bedarf schultern und somit mittelfristig in allen Bereichen der Pflege ihren Marktanteil ausbauen."
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