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Sanitätshäuser fördern Behindertensport

Über 4000 Athleten aus 148 Nationen kämpften bei den Paralympischen Spielen in Beijing um die Medaillen. Für Deutschland starteten 171 Sportler und errangen 118 Medaillen. Das bedeutet Platz 11 in der Rangliste der beteiligten Nationen.

Statistiken dieser Art tauchen nach den Paralympics in allen Medien auf. Ob sie den individuellen Leistungen der behinderten Sportler und ihrer Betreuer auch nur annähernd gerecht werden, ist eine andere Frage. Sie zeigen jedoch den erhöhten Stellenwert des Behindertensports in der öffentlichen Wahrnehmung. Und das ist auch gut so, denn die olympischen Medaillen lenken den Blick auf eine Gruppe von Menschen in unserer Gesellschaft, die trotz körperlicher Behinderung hervorrangendes zu leisten vermag.

Behindertensport ist Breitensport
Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) e.V. ist die Vertretung des Sports aller Menschen mit Behinderung. In 17 Landesverbänden sind über 3.500 Vereine und Behindertensportgemeinschaften mit ca. 340.000 aktiven Mitgliedern organisiert. Hier und in anderen Verbänden des Behindertensports, liegt die breitensportliche Basis für die paralympischen Erfolge.

DRS, Deutscher Rollstuhl-Sportverband

DRS, Deutscher Rollstuhl-Sportverband

Hier arbeiten Helfer, Betreuer, Trainer und Sportmediziner mit viel Engagement und Überzeugung. Ein normaler Sportbetrieb, könnte man meinen, wie es ih im Land tausendfach gibt. Im Prinzip ja, mit dem wichtigen Unterschied, dass für Menschen mit körperlicher Behinderung nichts einfach und normal ist. Der Weg zum Training, die Fahrt zu Auswärtsspielen ist zum Beispiel für Rollstuhlfahrer ein mittelschwerer organisatorischer Kraftakt. Von Anschaffungen, Pflege und Unterhalt des Sportgerätes ganz zu schweigen. Oft sind Sportstätten nicht für die Bedürfnisse körperbehinderter Sportler eingerichtet. Toiletten-, Dusch- und Umkleideräume für Rollstühle nicht geeignet.↵

Sanitätshäuser - moderne Hilfsmittel und orthopädie-technische Versorgung
Behinderte Freizeit- und Leistungssportler haben gelernt, mit solchen Widrigkeiten zu leben. Wichtiger für den Behinderten-Sportbetrieb, egal ob Basis- oder Spitzensport, ist diefunktionierende orthopädische und medizinische Versorgung. In Deutschland kümmert sich ein Netzwerk von Herstellern, Sportärzten, Orthopäden und Orthopädietechnikern, oft still und ehrenamtlich, um diese Seite des Behindertensports.

Eine wichtige Funktion hinsichtlich Beratung und flächendeckender Versorgung übernehmen dabei die über 3.500 Sanitätshäuser. Oft handelt es sich um Fachbetriebe, die sowohl orthopädietechnische als auch medizintechnische Fachversorgung leisten. Längst werden die Sanitätshäuser in Deutschland als kompetente Beratungs- und Dienstleistungscenter in Sachen Healthcare, Hilfsmittel und, je nach Ausrichtung des Betriebes, auch für Prothetik und Orthetik erkannt und genutzt.

Praxiserfahrung, handwerkliches Können und der ständige Austausch mit den Herstellern von Prothesen, Orthesen und Hilfsmitteln sind Branchenstandard. Das setzt Sanitätshäuser und Orthopädietechniker in die Lage, für jede Behinderung die optimale Versorgung zu leisten.

Industriesponsoring für Sporteliten
Engagement und Leistungswillen behinderter Sportler und flächendeckende orthopädietechnische Versorgung sind zwei Bausteine des Behindertensports. Einen dritten, wichtigen Baustein, liefert die Industrie. Ohne die Entwicklungsabteilungen der Hersteller wären viele Spitzenleistungen deutscher Athleten in Peking nicht möglich gewesen.

Michael Teuber, Silbermedaillengewinner in der Radsport Einerverfolgung über 3000 Meter, Setzt eine absolute Neuentwicklung ein. Der 40jährige fährt mit extrem leichten und gleichzeitig stabilen Spezial-Orthesen, die von der Sportpresse als "Wunderschuhe" gefeiert werden. Entwickelt und hergestellt werden die neuartigen Orthesen gemeinsam von drei innovativen deutschen Unternehmen. Federführend mit dabei: die Ortema GmbH an der Orthopädischen Klinik in Markgröningen.

Michael Teuber: Firma Ortema

Oder Andrea Eskau, Goldmedaille im Handbike-Rennen, mit einer individuellen Sportrollstuhl-Spezialanfertigung der Schmicking Reha-Technik GmbH. Die Sportgeräte des Unternehmens sind begehrt. Etwa die Hälfte aller teilnehmenden Handbiker rollte in Peking mit Bikes des deutschen Herstellers. Oder die Hightech-Sportprothesen der Firma Otto Bock für Heinrich Popow, Silbermedaille im 100 Meterlauf und der Firma Össur für Wojtek Czyz, Goldmedaille im Weitsprung.

Wie effektiv diese Entwicklungen von den Athleten beurteilt werden, zeigt ein Statement des oberschenkelamputierten Sprinters Heinrich Popow mit Blick auf den beidseitig amputierten Südafrikaner Oscar Pistorius, der mehr als eine Sekunde schneller im Ziel war: "Mein gesundes Bein ist meine eigentliche Behinderung."

Andrea Eskau: privat

Andrea Eskau: privat

Sanitätshäuser - Fachberatung und Hilfe für alle
Die paralympischen Medaillen und Erfolge sind die beste Werbung für den Behindertensport. Die Fachleute in den Sanitätshäusern sehen das positiv. Sie wissen, dass viele neue Entwicklungen im Vergleich zu den spektakulären Sprintprothesen eher unauffällig, aber von größter Wirksamkeit für das Wohlbefinden sind. So verbessern Liner-Systeme, flexible Termoplaste und Silikone die Prothesenhaftung am Körper und vermindern Druck- und Scheuerprobleme. Für Top-Athleten, Freizeitsportler und normale Prothesenträger ein enormer Fortschritt.

Nicht erst seit den Paralympics und Michael Teubers "Wunderschuhen" rücken orthetische Hilfsmittel ins Blickfeld. Für Sportmediziner schon immer erste Wahl, werden orthetische Hilfsmittel zunehmend auch allgemeinmedizinisch und präventiv eingesetzt. Hüft-, Knie- und Handgelenkorthesen bzw. Bandagen für Arbeit, Sport- und Freizeit bringen Behinderten und Nichtbehinderten deutliche Verbesserungen.

Aber nicht jede Orthese und Bandage hält, was die Verpackung verspricht. Orthopädische Hilfsmittel haben ihren Preis, gerechtfertigt durch oft jahrelange Entwicklung und hochwertige Materialien. Produktpiraten drängen auch in diesen Markt.

Walter M. Leuthe, Geschäftsführer der Sporlastic GmbH, einer der führenden Anbieter im Bereich orthopädischer Hilfsmittel, bezieht eindeutig Position: "Wichtig für unsere Produkte sind Arzt und Fachhandel, denn orthopädische Hilfsmittel brauchen die medizinische Beratung." Im Umkehrschluß sieht er den Markt frei verkäuflicher Bandagen, zum Beispiel in Sportgeschäften, kritisch: "Hier fehlt einfach das Wissen und die Beratungskompetenz, die im Sanitätshaus vorhanden ist."

Die Basis fördern
Wie wichtig die im Bundesverband für Orthopädie-Technik (BIV) organisierten Sanitätshäuser das Thema Behindertensport nehmen, zeigt die laufende große Spendenaktion zugunsten des Förderkreises Behindertensport.

An der Aktion beteiligen sich der Deutsche Lotto- und Totoblock, die Katarina Witt Stiftung und das Zweite Deutsche Fernsehen. Seit September 2008 stehen Spendendosen in den deutschen Sanitätshäusern wie auch in den Lottoannahmestellen. Mit den Spendengeldern werden Projekte des Breiten- und Rehabilitationssports für Menschen mit Behinderung unterstützt. Schirmherren aisn alle Ministerpräsidenten der Länder und die Bundeskanzlerin Dr. Angelika Merkel.

Gerda Pleitgen, Vositzende des Förderkreises, sieht in der Kooperation eine breite gesellschaftliche Unterstützung für die Aufgaben des Behindertensports: "Es freut mich besonders, dass jetzt auch der Deutsche Lotto- und Totoblock und die deutschen Sanitätshäuser beteiligt sind. Der Förderkreis ist für jede Spende dankbar, denn auch die kleinste Spende hat für die Menschen mit Behinderung eine große Wirkung."

Spendenaktion: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik

Heinrich Popow, oberschenkelamputiert, Silbermedaille 100 Meterlauf bei den Paralympics 2008 in Peking, sagt es anders: "Im Fernsehen durften wir bisher ja allenfalls mal zu Aktion Mensch, aber das reicht uns nicht. Wir wollen auch ins Sportstudio."

Textumfang: 6.789 Zeichen
November 2008

Abdruck bei Quellenangabe:
Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik, Dortmund

Fotonachweis:
Motiv Michael Teuber: Firma Ortema
Motiv Andrea Eskau: privat
Motive Rollstuhlsport: DRS, Deutscher Rollstuhl-Sportverband
Motiv Spendenaktion: Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik

Adressen und Verbände im Behindertensport:
IPC - International Paralympic Committee
Adenauerallee 212-214
53113 Bonn
www.paralympic.org

Deutscher Behindertensportverband e.V.
Friedrich-Alfred-Straße 10
47055 Duisburg
www.dbs-npc.de

Deutscher Rollstuhl-Sportverband
Friedrich-Alfred-Straße 10
47055 Duisburg
www.rollstuhlsport.de

Deutsche Behinderten-Sportjugend DBSJ
Friedrich-Alfred-Straße 10
47055 Duisburg
www.dbsj.de

Deutscher Gehörlosen-Sportverband e.V.
Tenderweg 9
45141 Essen
www.dg-sv.de

 

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Kontakt:
Bundesinnungsverband für Orthopädie-Technik
Bernd Wünschmann
Tel.: 0231/557050-60
Fax: 0231/557050-70
E-Mail: wuenschmann@ot-forum.de


 
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